Musik als Marketing-Instrument in
Apotheken? Ein Vortrag (Druckversion) zum Deutschen Apothekenkongress 2010 in Frankfurt von Michael Schneider, Inhaber von TEControl -
Agentur für technische Dienstleistungen
1. Funktionelle Musik zur Verkaufsförderung Musik begleitet uns das ganze Leben. Im Kindergarten haben wir die ersten Lieder gesungen, der ein oder andere entdeckt früh sein Talent an einem Instrument oder stellt fest, dass man mit einem fröhlichen Lied anderen ein Lächeln auf die Lippen zaubern kann. Ein von mir entwickelter Werbeslogan greift sogar noch weiter vor diese Zeit und lautet: „Schon im Mutterbauch hören wir mehr, als wir sehen – Warum also auf etwas verzichten, was Sie schon kannten, bevor Sie das Licht der Welt erblickten?“ - So fängt es an und zieht sich durch das ganze Leben und am Ende unseres Lebens spielt man dann ein Requiem. Die Untersuchung der Wirkung von Musik auf den Menschen ist ein wissenschaftliches Randgebiet, dass vielleicht noch von Kommunikationswissenschaftlern, Musiktherapeuten und einer kleinen Gruppe Medizinern unter die Lupe genommen wird. Ich erlebe die Wirkung von Musik als aktiver Künstler seit nunmehr 25 Jahren und weiß, dass sie enorme Auswirkungen auf Menschen hat, ohne eine wissenschaftliche Sektion der Musik in einzelne Bestandteile vorgenommen zu haben. Wenn Sie jetzt Ihren Nachbarn fragen, wann er oder sie das letzte Mal Musik gehört haben, werden Sie feststellen, dass das noch gar nicht so lange her ist. Sie hören Musik in Rundfunk und Fernsehen, im Einkaufszentrum, im Restaurant oder ganz privat auf dem so beliebten MP3- Player. Musik ist Bestandteil jeder Kultur und wurde historisch gesehen schon immer als Mittel zum Zweck eingesetzt. Zum Beispiel zur Unterhaltung, zu repräsentativen und religiösen Zwecken oder eben zur Verkaufsförderung. Heute spricht man in der Musikindustrie beim Einsatz zweckgebundener Musikdarbietungen und Einspielungen auch von sogenannter „funktioneller Musik“. Das tut man deshalb, weil diese Musik tatsächlich funktioniert! Dabei ist diese funktionelle Musik keine Erfindung der heutigen Zeit, nehmen Sie als Beispiel den Schamanen. Er verwendet Musik, um Geister zu beschwören und Krankheiten auszutreiben. Keine Angst! … Auf Ursache und Wirkung will ich hier gar nicht eingehen, grundsätzlich wird aber auch hier die Musik zur Erfüllung einer Funktion eingesetzt. Wichtig ist jedoch, dass dabei ein bestimmter soziokultureller Hintergrund beachtet werden muss. Bei unserer westlichen Einstellung würde die Wirkung schamanischer Gesänge möglicherweise verfehlt. Daraus ergibt sich, dass schon bei der Auswahl der Musik solche Faktoren, wie kulturelle Einflüsse, eigene Erfahrungen und Sozialisation eine wichtige Rolle spielen, die beim Einsatz von funktioneller Musik für die Businessbeschallung berücksichtigt werden müssen. Diese Einflüsse wirken auf unsere musikalischen Vorlieben und Hörgewohnheiten. Noch im 15. Jahrhundert galt eine Septime als dissonant, während Sie heute in diversen musikalischen Zusammenhängen durchaus als wohlklingend empfunden wird. Die Veränderung dieser Wahrnehmung wird heute sehr stark durch die uns umgebenden Medien beeinflusst. Daher kann man davon ausgehen, dass es Wechselwirkungen zwischen dem Angebot und den Hörgewohnheiten gibt. Bei einer Musik, die häufig im Radio gespielt wird, kann eine breite Akzeptanz vorausgesetzt werden. Dabei ist es unerheblich, ob sie gespielt wird, weil sie populär ist oder ob sie durch häufiges abspielen populär wurde. Diese Behauptung steht im engen Zusammenhang mit der von mir propagierten Wechselwirkung zwischen Werbemechanismen in der Musikindustrie und der mögliche Wirkungsweise von funktioneller Musik bei der Businessbeschallung. Auf jedem Fall hinterlässt diese Musik Spuren in unserem emotionalen Gedächtnis. Umgekehrt weckt diese Musik beim Hören dann wieder Emotionen. Wenn ich also Musik spiele, die bei der Mehrzahl der Hörer erfahrungsgemäß willkommene Emotionen hervorruft, kann ich damit eine positive Grundstimmung fördern. Unter Musikern gibt es den Witz mit dem Geschirr, dass in der Küche des Restaurants zu Fall kommt und lautstark in tausend Teile zerbricht: Von dem Lärm geweckt, spricht plötzlich ein Gast mit lauter Stimme in die Stille des Restaurants hinein: HÖR MAL SCHATZ, SIE SPIELEN UNSER LIED!. Hinter diesem Witz steckt eigentlich dass, was gute Musiker in Ihrem Berufsalltag so häufig erleben; die Erinnerung des Auditoriums an schöne Begebenheiten durch gespielte Musik und die eintretende Synergie von erlebtem Wohlbefinden und der Wiederholung dieser Emotionen im gleichen Moment. Dies ist ein, wenn auch lustiges, Beispiel für die Wirkungsweise funktioneller Musik auf der psychologischen Ebene. Musik wirkt aber auch auf der physiologischen Ebene. Stellen Sie sich vor, dass Sie durch eine Fußgängerzone gehen. Vor einem der Geschäfte wird Straßenmusik gespielt. Wahrscheinlich haben Sie schon beobachtet, dass Sie unwillkürlich Ihr Schritttempo an den Rhythmus der Musik angepasst haben. Diese Wirkung ist universell und von ethnischen und kulturellen Einflüssen unabhängig. Auch dieser Mechanismus erlaubt einen situationsabhängigen Einsatz von Musik, der bei entsprechender Fachkenntnis verkaufsfördernd eingesetzt werden kann. Eine indirekte Wirkung ist, dass ich im Gedächtnis der Kunden eine Verbindung zwischen den angenehmen Erfahrungen in der Apotheke, zum Beispiel einer freundlichen Bedienung und kompetenter Beratung auf der einen Seite und der auch durch Musik geprägten freundlichen Atmosphäre schaffen kann. So positiv gestimmte Kunden werden nicht nur selber wiederkommen, sondern ihre guten Erfahrungen im Bekanntenkreis weitergeben. Im Einzelhandel ist der Einsatz von Musik schon seit langem etabliert. Obwohl die gesamtakustische Gestaltung von Verkaufsräumen nachweislich eine verkaufsfördernde Wirkung erbringt, hat sich das Instrument der Musikbeschallung als integrativer Bestandteil der Raumkonzepte in Apotheken nur vereinzelt durchgesetzt. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich die Apothekerinnen und Apotheker, historisch gesehen, erst seit kurzer Zeit in einem unmittelbar konkurrenzbehafteten Handelsumfeld wahrnehmen können. Zudem stellt sich in einer Situation wie der heutigen, insbesondere der Individual-Apotheke, die Frage der zukünftigen Marktentwicklung und der unmittelbaren verbundenen Konsequenzen für die Funktion und Gestaltung von Verkaufsräumen. Das hier vorgestellte Mittel der Musikbeschallung in Apotheken dient somit auch als ein Beitrag zu Ideen-Findung unter Berücksichtigung dieser Entwicklung, die sich Bundesweit zwischen der Individual-Apotheke und kettenähnlichen Verkaufsstrukturen bewegt und zu verändertem Denken auf berufspolitischer und betrieblicher Ebene führen muss. 2. Musikbeschallung in der Praxis – Die Vorbedingungen Die Kosten, der Raum und sein Klang Der Kostenaufwand zur Anschaffung und Installation gestaltet sich durchweg bei kleineren Verkaufseinheiten kritischer als bei großen. In großen Objekten von zum Beispiel 6.000m² steht der Kostenaufwand bezogen auf die Verkaufsfläche etwa bei einem Verhältnis von 3 zu 1, während zum Beispiel bei einer Apotheke mit 100m² Verkaufsfläche ein Verhältnis von 30 zu 1 kalkuliert werden muss. Der Grund dafür ist, dass die Basiskosten für die Anschaffung einer professionellen und dauerbetriebstauglichen Anlagentechnik zur Einspielung von Musik in beiden Fällen etwa gleich ist. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, eine Anlageninstallation betriebswirtschaftlich sinnvoll zu gestalten, da der Nutzen, insbesondere die Kundenzufriedenheit betreffend, immer noch in einem guten Verhältnis zum Gesamtinvestitionsvolumen stehen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeiten das Investitionsvolumen zu verringern. So wäre zum Beispiel der zentrale Einkauf notwendiger Komponenten über den Berufsverband der Apothekerinnen oder durch Zusammenschluss verschiedener Markenverbände in einer Einkaufsgemeinschaft denkbar. Als funktionierendes Beispiel für dieses Modell lässt sich hier die WGKD nennen, die Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland. Diese Einkaufsgenossenschaft schließt Rahmenverträge mit Lieferanten und bietet so Ihren Mitgliedern günstige Einkaufsmöglichkeiten, auch für technische Komponenten. Zudem wurde hier auch ein Rahmenvertrag mit der GEMA abgeschlossen, um günstige Pauschalvergütungen für Lizenzzahlungen, die durch Musikeinspielungen fällig werden, zu ermöglichen. Auf den Sinn und Zweck dieses Kostenfaktors, der zu den laufenden Betriebskosten zählt, komme ich später noch einmal zurück. Der Einsatz von Beschallungstechnik in kleineren Verkaufsräumen ab 60m² setzt voraus, dass die räumliche Umgebung aus baulichen und akustischen Gesichtspunkten betrachtet wird, um eine erfolgreiche technische Konzeption zu erstellen. Ziel einer solchen Planung ist es, notwendige Beschallungsfelder im Objekt zu definieren, um eine ausgewogene Beschallung auch bei niedrigen Lautstärken zu garantieren. Eine konventionelle Konzeption ist stark an die akustischen Gegebenheiten einer Innenarchitektur gebunden. Weiterhin gibt es auch technische Komponenten, die es erlauben, Beschallungsfelder gezielt zu definieren, so dass man sogar auf kleinem Raum unterschiedliches Musikprogramm einspielen kann, ohne störende Interferenzen in den Übergangszonen zu erzeugen. Je Größer jedoch der zu beschallende Raum ist, desto schwieriger wird eine mögliche technische Abgrenzung solcher Schallfelder. Bei Neubauobjekten ist es sinnvoll, im Planungsvorfeld zum Beispiel mit dem Architekten oder dem Ladenbauer notwendige Kabelschächte und Auslässe für Anschlußkabel und Lautsprecher festzulegen. In bestehenden Objekten liegt die Herausforderung darin, ein System in die vorhandenen Ladenbau-Komponenten zu integrieren und auch nachträglich ein geeignetes Lautsprechersystem hierfür zu finden. Die Industrie bietet hier bereits eine Vielzahl von Systemen an, die auch höchsten optischen Ansprüchen genügen. Technische Voraussetzungen der Einspielsysteme Grundsätzlich können die Einspielsysteme in zwei Gruppen unterteilt werden:
Dieser Unterschied ist deshalb zu treffen, weil der Bedarf der Anwender an verschiedenem Musikmaterial durch diese Systeme auf angepasste Weise effizient gedeckt werden kann. Zur Gruppe der Standalone-Systeme zählen zum Beispiel Einspielsysteme wie Rundfunkempfänger, CD/DVD und MP3-Player oder Cardreader-Systeme. Diese Gruppe benötigt die Aufmerksamkeit des Betreibers während der Laufzeiten, das heißt während der regulären Arbeitszeit. Zum Abspielen von Tonmaterial und damit zum Einleiten von Stimmungswechseln für eine zielgruppengerechte und situationsbedingte Beschallung ist eine manuelle Bedienung nötig. |
Die manuelle Bedienung erlaubt dabei meiner Meinung nach die größtmögliche Flexibilität und Effizienz im Einsatz von funktioneller Beschallung. Netzwerksysteme erlauben dagegen die Beschickung von Serversystemen mit ausgesuchtem Musikrepertoire, um eine abwechslungsreiche Gestaltung, nach zuvor ermittelten Kriterien (Apothekenstandort, Kundenfrequenz zu bestimmten Zeiten etc.), ohne zusätzlichen Aufwand für den Betreiber zu gewährleisten. Eine pauschale technische Lösung gibt es nicht, da sowohl die Nutzung der Abspielsysteme als auch die räumlichen Gegebenheiten immer unterschiedlich ausfallen. Hier sollte nach Möglichkeit die Beratung einer Fachfirma in Anspruch genommen werden. 3. Musik - woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wer Businessbeschallung einsetzen möchte, muss auch wissen woher die erforderliche Musik kommt. Deshalb ist oben die gestellte Frage durchaus berechtigt, denn geeignete Musik ist für den Markt der Businessbeschallung zwar vorhanden, steht aber noch nicht in einem angemessenen Kostenrahmen und komfortabler Form zur Verfügung, wenn man von einer professionellen Verwendung ausgeht. Der Musikmarkt tut sich hier etwas schwer, da auch hier gesetzliche Regelungen und Machtspiele diverser Institutionen vor europäischen Gerichten ein wirkliches Wachstum des Musikmarktes in Deutschland verhindern. Die Versuchung, Musik auf illegalem Wege zu beschaffen ist damit sehr hoch. Abgesehen davon, dass eine illegale Nutzung sehr teuer werden kann, sollte man sich folgendes vor Augen führen: Seit Einbruch des Musikmarktes im Jahr 2001 werden der
Musikindustrie immer noch erhebliche Schäden durch illegal kopierte
Musik zugefügt. So heißt es im Jahresbericht 2008 der deutschen
Musikindustrie: „Auch wenn es langsam gelingt, die
Internetpiraterie zurückzudrängen, bleibt die Kostenlos-Konkurrenz
durch illegale Tauschbörsen und selbstgebrannte CDs schärfster
Wettbewerber der Musikindustrie. Auf eine gekaufte CD kommen
drei Kopien, auf einen legalen Download zehn
illegale. Hinzu kommen fast 20 Milliarden Musikdateien, die auf
PCs, MP3-Playern und Handys in Deutschland gespeichert sind.
„ Obwohl wir gut ausgebildete Künstler in Deutschland haben, geht deren Interesse an der Schaffung von professionellen Musikproduktionen für den industriellen Bedarf verloren, da aufgrund der vorhandenen Produktions- und Vertriebsstrukturen zu geringe Verdienstmöglichkeiten gegeben sind. In der Folge wird sich sich das Angebot an verfügbarer Musik verringern. Um diesen Teufelskreis aus sinkendem Angebot und steigenden Preisen einerseits und einer möglichen steigenden Nachfrage andererseits zu durchbrechen, kann die Lösung nicht darin bestehen, den Bedarf durch illegale Beschaffung von Musik zu decken. Ein Lösungsvorschlag wäre auch hier, Verträge zwischen den Apothekerverbänden, die ich zuvor schon einmal erwähnte, und der Musikindustrie abzuschließen, um anfallende Lizenzzahlungen, die bei legal erworbener Musik entstehen, für den Endverbraucher zu senken. Dieser zunächst paradox erscheinende Vorschlag hat für die Künstler den Vorteil, dass durch eine Änderung des Abrechnungsschlüssels, bedingt durch den möglichen Verbreitungsgrad ihrer Musik, ihr Anteil an den Lizenzausschüttungen steigt, sofern man bisherige Lizensierungsverfahren, wie die der GEMA zugrunde legt. 4. Die GEMA- muss das sein? Ich höre immer wieder die Frage: „Warum muss ich als Apotheker
und damit als gewerblicher Nutzer von Musik überhaupt GEMA Gebühren
bezahlen?“ . Dazu sollte man folgendes wissen: Die hier erwähnten Zahlungen an die GEMA werden nur dann fällig, wenn der Künstler, dessen Musik gespielt wird, sich auch von der GEMA vertreten lässt und über diese entsprechende Lizenzforderungen abgegolten werden sollen. In der Praxis betrifft das den Großteil der populären Musik, die der Masse der Endverbraucher zugänglich ist und somit aufgrund ihres Bekanntheitsgrades auch größtmögliche Wirkung im Sinne der Businessbeschallung erwarten lässt. Die GEMA-freie Musik als Alternative weißt in der Regel nicht diesen Bekanntheitsgrad auf, kann jedoch unter funktionellen Gesichtspunkten hinsichtlich der physiologischen Wirkung auch sinnvoll eingesetzt werden. Persönlich halte ich bis jetzt die ausschließliche Nutzung von GEMA-freier Musik für die Businessbeschallung für nicht geeignet, weil man auf den Vorteil des Wiedererkennungswertes populärer Musik verzichtet. Es gibt jedoch interessante Konzepte, die die großflächige Vermarktung von GEMA-freier Musik zum Ziel haben, um den Einstieg für junge Komponisten und Musikerinnen in ein erfolgreiches Berufsleben zu ermöglichen. Sollten sich diese Konzepte durchsetzen, kann sich auch GEMA-freie Musik im populären Bereich durchsetzen und damit den Vorteil des Wiedererkennungswertes dazu gewinnen. 5. Beschallung im Apothekenalltag Die Praxis der Beschallung im Apothekenalltag unterscheidet sich, wie in vielen Fällen, ein wenig von der Theorie. Im Vordergrund sollte meiner Meinung nach auch beim Einsatz von Musikeinspielungen das individuelle Vermarktungskonzept einer Apotheke stehen. Die Grenzen zwischen einem individuellen Branding durch atmosphärische Gestaltung und der bequemen Nutzung synergetischer Effekte, die uns die Musikindustrie ermöglicht, sind dabei fließend. Liegen die Schwerpunkte bei der Marketingstrategie einer
Apotheke in der Individualisierung und damit auch auf der
Einzigartigkeit des Gesamtkonzeptes, sollte sich das auch in der
Zusammenstellung der Musiktitel, der Abspielfrequenz und der
situationsabhängigen Einspielungen widerspiegeln. Liegen die Schwerpunkte eher in der Erreichung einer breiten, trendorientierten Zielgruppe, können Musikeinspielungen eher an dem Geschmack der breiten Masse des Einzugsgebietes orientiert werden. Gerade in Gebieten, welche sich klaren soziokulturellen Strukturen zuordnen lassen, kann eine Apotheke mit gezielt angepasster Musik die Kunden binden, die sich durch das bloße Produktangebot und die Beratung nicht binden lassen. Eine Apotheke, die mit ihrem Auftreten das soziale Umfeld widerspiegelt, kann mit einer hohen Akzeptanz in der Zielgruppe rechnen. Nach dem Motto „Spiel mir Deine Musik und ich sage dir wer du bist“, kann durch den bewussten Einsatz von Businessbeschallung sogar die individuelle Geschmacksnote einzelner Apotheken-Inhaber errichtet werden, die sich positiv von der Coporate Identity kettenähnlich betriebener Apotheken in ihrem Standortumfeld unterscheidet. In der Praxis ist nur der gezielte Einsatz von Musikeinspielungen zu empfehlen. Das heißt eine „Dauerberieselung“ mit Musik ist auch unter Rücksichtnahme auf die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter in der Apotheke nicht zu empfehlen, da unter Umständen auch Ermüdungserscheinungen auftretet können, die die Beratungsqualität und damit auch die allgemeine Arbeitssicherheit einschränken könnten. Sofern das Einspielsystem eine direkte Einflussnahme auf das
Musikprogramm zulässt, ist es sinnvoll eine Mitarbeiterin für die
Auswahl der Musik einzuteilen. Voraussetzung hierfür ist das Gespür
der Mitarbeiterin für die Wahl des richtigen Programms, des
richtigen Zeitpunktes sowie Lautstärke und Dauer der Einspielzeit.
So kann es durchaus sinnvoll sein, in Momenten hoher
Kundenfrequenz, mit entsprechend größerer Anforderung an die
Mitarbeiterinnen hinsichtlich Kundenberatung und
Auftragsabwicklung, beruhigende Musiksequenzen einzuspielen. Es
geht bei der Auswahl von Musik nicht darum, den individuellen
Geschmack einzelner Mitarbeiterinnen zu treffen, sondern gezielt
den Sinn und Zweck einer Einspielung zu verfolgen. Das heißt,
dass die Musik als Instrument zur situationsbezogenen Unterstützung
des Arbeitsablaufes eingesetzt werden soll. Hierbei sind auch
wichtige Kriterien, wie die Spieldauer einzelner Musiktitel das
Genre und das Tempo der Musik zu berücksichtigen! 6. Zukunftsmusik oder „Die Musical-Apotheke im Pharma-Wunderland“ In unserer Zeit, die durch ihre rasanten Veränderungen eine Neuorientierung von Vertriebsstrukturen notwendig macht, muss jedes Mittel zur erfolgreichen Marktpositionierung in Betracht gezogen werden. Worum geht es also? Salopp gesagt: „ Wenn es mir gelingt meiner Apotheke ein individuelles Image zu verleihen, gehe ich nicht in der Masse meiner Mitbewerber unter!“ Musik bietet in diesem Rahmen die Möglichkeit sowohl für die kettenähnliche Vertriebsstruktur als auch für die Individual-Apotheke, die Entwicklung einer corporate indentity maßgeblich zu unterstützen. Ansätze hierfür lassen sich zum Beispiel auf der Internetseite
der „LINDA“ Apotheken finden, die „Linda-Musik“ zum Download
anbieten. Dieses sehe ich schon als ersten zaghaften Versuch,
aktives Branding durch den Einsatz von Musik zu betreiben. Darüber
hinaus ist selbst eine themenbezogene Ausstattung der Apotheke
durchaus denkbar. Was halten Sie zum Beispiel von einer „Star-Treck Apotheke“ im örtlichen Kinocenter? Selbst wenn Sie sich das heute noch nicht vorstellen können, bergen solche Ideen ein großes Potential. Auch wenn ein solches Konzept nicht für jeden Standort geeignet ist, könnte in einem entsprechenden Marktumfeld die Anziehungskraft einer Apotheke um ein Vielfaches gesteigert werden. Wird dann auch noch die passende Musik in das Vermarktungskonzept integriert, so potenziert sich deren Wirkung. Dieses Konzept wäre auch für webbasierte Vertriebsstrukturen denkbar, sofern sich die gesetzlichen Vorgaben entsprechend anpassen lassen. Weitergehende Marketingkonzepte, die sogar die Implementierung von musikalisch-kulturellen Projekten in die CI-Entwicklung von Apotheken einbeziehen können, warten darauf, abgerufen zu werden. Hier könnten sogar multiple Wechselwirkungen zwischen den Schnittstellen der Musikindustrie und Apotheken jeglicher unternehmerischer Form entstehen. Hier entwickelte Produkte können durch den Einsatz von Businessbeschallung und das aktive kulturelle Engagement der Apotheken als wirksames Werbeinstrument fungieren. In Zeiten der „Europäisierung“ der Gesetzeslandschaft, die auch den Handel mit der besonderen Ware -den pharmazeutischen Produkten- regeln wird, sollte man die Wirkung synergetischer Effekte für die Entwicklung lokaler Märkte nicht unterschätzen. So kann man den Apothekerinnen und Apothekern nur zurufen: „Lassen Sie sich nicht die Chance entgehen, alle Sinne des Kunden anzusprechen!“ In einer auf audiovisuelle Medien fixierten Zukunftsgesellschaft, wie wir sie mit Sicherheit zu erwarten haben - wenn sie nicht bereits existiert - ist der Einsatz auch der auditiven Ansprache unverzichtbar und wird seine Wirkung, zusammen mit der optischen Gesamtgestaltung, nicht verfehlen. Michael Schneider/ TEControl Königswinter im März 2010 |
